Montag, 28. April 2008

Windkind

Er hat die Angstgestalten aus meinen Armen gehalten,
ein Windhauch,
der meine Füße rückte
hin zu dem klareren Gang,
der meinen Glauben entzückte,
ein Leben lang.

Die Nähe zu ihrer Gottheit verwandelt sie

Ausgehöhlt ist eine Seite des euböischen Felsens zu einer riesigen Grotte, in die hundert breite Zugänge führen, hundert Türen, aus denen ebenso viele Stimmen schallen, Orakel der Sibylle. Man war an die Schwelle gekommen, als die Jungfrau rief: "Zeit ist's, Schicksalssprüche zu erbitten, der Gott, sieh da, der Gott!".
Als sie diese Worte noch vor dem Tor ausrief, änderte sich plötzlich ihr Ausdruck, ihre Farbe, löste sich ihr Haar; die Brust aber keucht, und in Raserei wallt wild ihr Herz, übergroß scheint sie zu sein und nicht menschlich ihre Stimme zu klingen, da sie angehaucht ist, von der jetzt schon recht nahen Energie ihres Gottes.


Aus: Vergil Aeneis. 6 Buch.


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