Stattdessen....

Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll. Vielleicht ist es allein meinem gestrigen Gefühl der Alleinsamkeit zuzuschreiben, dass ich, als ich die neue
Stadthalle in Singen vor meinen Augen wie ein Koloss auftauchen sah, eine innere Traurigkeit entdeckte. Ich war seit einer längeren Zeit nicht mehr in dieser Stadt gewesen, die für mich früher die Ausbildungsstätte meiner musischen Erziehung war. Ein Ort der mich weiterbrachte, der mich herausforderte, mir meine letzten Kräfte nach Mittagsschule und Schulalltag nahm. Ich träume jetzt noch manchmal davon meine Noten zu Hause vergessen zu haben, zu spät zu einem Konzert zu kommen und von anderen peinlichen Dingen.

Ich komme also am Bahnhof der Industriestadt an, nehme nur schemenhaft die ewig leuchtende Maggireklame auf der anderen Seite der Schienen war, und begebe mich zu einem Döner, da mir der Magen knurrt. Dort erreicht mich das erste Grauen, ein Junger Mann kommt in die Bude, nimmt vier Bier mit. Draußen im Kalten sitzt eine junge Frau, mehr noch ein Mädchen, das zu ihm gehört und zwei Kinder, eins in einer Plastikwiege, eins von etwa zwei Jahren steht dabei. Die Mutter isst Pommes und sieht nicht gut aus. Beide sind scheinbar überfordert mit den zwei Kindern. Zu jung, zu unwissend.
In der Bude sitzen noch zwei Männer mittleren Alters, die sich langweilen, schlechtes Deutsch, sie fuhrwerken die ganze Zeit an ihren Handys rum, die Tür geht auf, zwei vierzehnjährige Jungs latschen ziemlich lässig rein und verzocken Euros an den Spielautomaten.

Ich breche auf, Richtung Gems, einem Kulturzentrum und hoffe dieser grauen Bahnhofsgegend zu entrinnen. Da ich die Tübinger Kleinstadtidylle mit Fachwerkhäuschen und Kopfsteinpflaster gewohnt bin, vermisse ich kleine Cafes, schöne Läden, Leben in den Straßen. Nein, hier spielt sich das Leben am Bahnhof ab.
Um so bonziger und neureicher kommt mir die Stadthalle vor und ich merke, dass damit den Leuten rund um den Bahnhof nicht geholfen ist, wenn sich die Mittelständler der Bodenseeregion mit Kunstinteresse in dieses Gebäude begeben.
Die Stadt ist stolz solch eine Halle zu besitzen, für mich wirkt es allein wie ein Ablenkungsmanöver von der Hässlichkeit der Stadt, die sich irgendwie, ziemlich offensichtlich nach warmer Anteilnahme sehnt.

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