Lesenswertes

Freitag, 18. Januar 2008

Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot, von Sibylle Berg



Neben all der Literatur, die sich den Wohlgeformtheitsregeln der deutschen Sprache mehr oder minder unterwirft, lese ich gerade ein Buch, das gerade deshalb so charmant ist, weil es sprachlich, wie auch inhaltlich, neue Wege geht.
Das kleine Buch mit 180 Seiten von Sibylle Berg, trägt den Titel:" Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot".
Es ist bei Reclam Leipzig 1997 erschienen, wurde aber nicht mehr neu aufgelegt, bei Amazon gibt es aber noch ein paar Ausgaben, außerdem plant der Verlag einen Neudruck.

Diese paar Leute berichten abwechselnd, auf etwa eineinhalb Seiten, aus ihrem Leben. An welcher Weggabelung in Richtung Glück sie sich gerade befinden. Der Überzeugung, dass das Glücklichsein eng mit einem glücklichen Liebesleben zusammenhängt, sind auch die Charaktere des Buches, in nahezu tragischen Momenten wird diese Idee vom Glück bis auf die Spitze getrieben und auf ihre Richtigkeit getestet.
Zunächst geht bei jedem alles in die Brüche, die Charaktere verlassen ihre Familien, ihren sicheren Job, rennen ihren Träumen hinterher, und landen erst einmal in noch größeren Albträumen, immer auf der Suche nach dem perfekten Glück, ruhelos, verzweifelt, verliebt.

Ich habe leider den Schluß noch nicht gelesen, aber ich denke, dass sich bei einigen, nach allem Durcheinander, doch soetwas wie Glück, oder zumindest Ruhe im Leben einstellen wird.

Die Sprache ist bissig, an manchen Stellen so direkt und schonungslos, dass ich mich öfters mal dabei ertappt habe, das Buch auf die Seite legen zu wollen, weil ich nicht mehr konnte. Ich sagte mir dann immer nur:
"Jetzt stell dich nicht so an, das Leben hat wirklich solche und solche Seiten". Und genau diese Realitätsnähe rechne ich diesem Büchlein hoch an.

Grob kann man es in die Sparte Popliteratur einordnen. Ein Hinweis dafür ist zum Beispiel die "schlampige" Verwendungsweise von Sprache, die Autorin schreibt, wie man spricht. Ein anderes Kennzeichen popliterarischer Texte ist die Bezugnahme auf alltägliche Gegenstände unserer Welt und bestehende Subkulturen.


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