Ruth M.

Donnerstag, 8. November 2007

Wo ?

Melusine sitzt in einem Raum der Unität und empfängt die Rede des Professors, der etwas von Begabung sagt.

Gut, denkt Melusine, dann will ich schreiben und schreiben und schreiben.

Begabung ist das Eine, aber wo verstecken sich die Worte?
Das Fehlen des Sprachmaterials ist das Andere.

mingos
Was will sie über die Welt aussagen?

Alles und doch nichts, weil keine Rede angemessen scheint.



" Es regnet, auf dem Fahrrad wird das grüne Kleid nass. Die Kette ächzt bei jeder Kraftübertragung auf die Pedale. Die Welt ist so stumm, nur ein paar Autos rauschen vorbei an der Musik im Innersten. Melusine denkt ins Nirgendhin, während die Gläser der Brille viele nasse Tropfen anziehen.
Kalte Fingerspitzen betätigen die rostige Klingel und keiner hört wirklich hin.
Wann war die Welt ein Rauschen, das bis ins Herz vordrang und alles in Bewegung brachte ?
Dass man Lieder schrieb ganz ohne langes Überlegen, wo sich der Kuchen noch essen ließ? Wann war die Welt so klein, dass man vor ihr schwieg, weil man sie nicht wecken wollte in ihrem sanften Schlummer?
Wann war das so?

Das Vorderrad fährt in die dafür vorgesehene Haltebucht und Melusine schließt das Schloß, zieht schnell das Stirnband von der heißen Stirn und wirft es mitsamt den im Morgen eingefangenen Einsamkeiten in die Tasche, zu Tee und Büchern.

Schnell hinauf in die Unität. Was wird der alte Mann sagen, der sonst so streng ist?
Er spricht etwas von Begabung, aber die Gedichtinterpretation hing schief zwischen den Zeilen, findet er.

Die Flamingos
Wie Spiegelbilder von Fragonard
ist von ihrer Röte nicht mehr gegeben
als dir einer böte der von seiner Freundin sagt,
sie war noch sanft von Schlaf...



Phryne schaut mich an und lacht mir zu.
Der alte Mann redet etwas von der bezaubernden Schönheit dieser Hetäre-"

Ich werde schreiben.

Donnerstag, 28. Juni 2007

Mehr nicht

Schmerzen, die über die Schultern in den Kopf kriechen.
Mehr nicht-

Donnerstag, 21. Juni 2007

Engel

Melusine wollte immer ein Engel sein, aber sie ist ganau das Gegenteil. Sie mag das Wasser.
Sie liebt den Kitsch und die Plastikblumen. Nur keine Bilderrahmen.
Aber: Wenn jemand an ihr Fenster klopft und rein will, dann weist sie ihn nicht zurück. Es kann ein Engel sein.

Freitag, 8. Juni 2007

...

"Und wie ich, irgendwie, sie sein wollte, eines Morgends aufwachen wollte und mich in ihrem Körper finden wollte, mit ihren Erinnerungen (...) Und ich erinnerte mich an die seltsame Zärtlichkeit, die ich für sie empfand, während der Sommer ins Land ging..."

Aus: Gail Godwin. Traumtochter



Und ich erinnerte mich an ihre Worte, die sie nicht aussprach. Oft saßen wir schweigend am See und hörten nur unseren Atem dicht bei uns.
Das zärtliche Gefühl galt auch den Birken dahinter und ihren weißen Kleidern, die weit durch die Gegend zu sehen waren.
Es lief ein Schaudern durch sie hindurch, als ihre schönsten Beine das Wasser und die Schatten darin bestiegen. Ich wollte meinen Blick nicht von ihr wenden und brachte sie damit zu einem Lachen.
Die Wertvollste war so tief in meinen Augen, dass sie überall war.
Die schwarzen Schuhe wurden in dem Gras zurückgelassen und mein Kleid wehte an dem Ast der Birke, als es mich neben ihr mit Gänsehaut bedeckte.
Doch Ihre Haut war meiner Haut so warm und weich und das Wasser schmiegte sich an die Waden und drängte weiter hinauf.
Dann küssten wir uns, zwischen Dunkel und Licht. So still war es, dass man nur unseren Atem hören konnte, der sich langsam ausbreitete und über die silbrige Wasserfläche wie ein Schwarm von Libellen davonirrte.

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Donnerstag, 10. Mai 2007

Die Nacht die den Abend verlassen hat.

Du kommst den Hügel herab, den grüngewiesten, im Abenddämmern.
Bringst du den Wind aus den Wipfeln mit? oder war er schon vor dir da ? - ich habe es vergessen.

Deine Füße sind immer noch weiß-
wie die Zähne, die du in den Wind stellst bei deinem kleinen Lachen.
Ich gehe hinunter zu der Tür.
Jetzt bist du bei der Steinbrücke.
Ich höre die sandige Sohle deiner Füße. Sie schleifen auf unserem Asphalt.
Und dein Singen, lässt mich nicht ruhen.
Zitternd ist auch die Nacht die den Abend verlassen hat.
Ich umschließe dich, du huschst schattig in meine Arme.
Roter Mund, Kirschenblüten in meinen Augen.
Türen öffnen sich von Geisterhand und dahinter liegen wir ausgebreitet.
Die grünen Strümpfe rollen sich von dir ab. Ein leises Stöhnen durchschaukelt den Raum, und die Kirschen verlieren ihre Farbe. Das Rot ist manchmal warm auf dem weißen Laken liegengeblieben.
Du trägst es über deiner blassen Haut. Ganz in weiß-
Deine Schritte durch den Raum schleifen sich in mein Gedächtnis ein. Eingravierte Partituren. Violin.
Die Pausen müssen eingehalten werden, erst später. Gerade ist der Anfang ein leises Piano, in dem wir uns ertasten.
Ich hänge an dir und bewege mich im Wind auf und ab und sinke tiefer hinein in das kühle Grün und das blasse Überall deines Wehens.

Ich höre dein Lachen und weiß dass du gehen musst. Lass mir das Laken mit den Kirschen.

WEisser-Fuss

Samstag, 13. Januar 2007

Ruth im Meer

Schau mich nicht mit so großen Augen an.
Ich habe in das Gewächshaus ein paar Pflanzen für dich hingestellt. Ob ich die Fischgesänge höre?
- Da fragt man nicht danach. Was ist, warum? Ist was? Ich glaube es ist was. Wenn was ist, dann komm doch her.
Ich werde nass davon. Es ist zu spät dafür.
Ich gehe jetzt. Ja, ich höre sie - seit wann fragst du überhaupt danach. Ich glaube es ist was...

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Samstag, 18. November 2006

Ruth

Da ist das Fabrikgelände und dahinter ist Grau bis zum Horizont -------------------------------------------------------------------
Du tanzt auf dem Betonkreis, da stand mal ein Gasbehälter, hat dicht gemacht das Teil.
Du bist die Frau.
Wenn du willst rauchen wir eine Zigarette zusammen, bevor ich geh.
Und dann die jüdischen Lieder, die du kennst.
In den Zeiten, wo ich nicht wach bin, rührst du an etwas in mir.
Ich werde gehen und dich nicht anschauen. Bleib, du bist...

Samstag, 27. Mai 2006

Liebe Ruth

Ich kenne ein Mädchen und habe schon öfters an sie gedacht.
Ruth soll kommen. Der Eiswind bläst sie her, ihr Rock hebt sich über die blau gefrorenen Beine. Ruth trägt weiße Wäsche. Ruth hörst du mich?
Warum trägt Ruth weiße Wäsche? Ich meine, obwohl sie kein Geld hat? Aber das ist ihr lieb, das Tragen.
Ruth hat immer Zeit. Das schrieb sie mir beim ersten Mal auf einen Zettel. Ich meine, es trifft ja nicht auf jeden zu, das mit dem Zeithaben. Wie lang wir uns kennen? Das kann ich gar nicht genau sagen. Länger als eine Zigarette, das weiß ich zumindest.
Ich danke dir für den schönen Abend gestern. Wenn du noch etwas anderes dringend brauchst, dann gib mir ein Zeichen, ich besorge es dir. Heute habe ich eine Weile gebraucht um zu mir zu finden, da ich weit draußen bei dir war.


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