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Samstag, 10. Mai 2008

Kinder

Ich schiebe keuchend und schnaubend mein Fahrrad den steilen Berg hinauf, als ein paar Meter vor mir ein blonder Junge seinen Wuschelkopf aus einem offenen Wohnwagenfenster steckt und ruft: "Willst du was trinken?". Ich höre eine andere Jungenstimme von Drinnen: "Nicht so laut, die Leute kommen schon". Ich muss schmunzeln und während ich auf ihrer Höhe anhalte und absteige, schauen sie mich spitzbübisch an. Am Aussenspiegel des Wohnmobils hängt ein selbstgemaltes Reklameschild mit einer gemalten Limonadenflasche. "Hallo", sage ich, "Was könnt ihr mir denn anbieten?". Die Jungs, es sind drei, zwischen acht und zwölf Jahren, legen los: "Also wir haben Orangensaft, Multivitaminsaft, Crapefruit und es kostet 15 Cent". Ich sage: "Einmal eine OSaftschorle bitte". Schnell wird sie gemischt und mir in einem Plastikbecher durch das Fenster gereicht. Ich hab die Jungs schon richtig lieb gewonnen und gebe ihnen mein ganzes Kleingeld. Sie schauen auf das Häufchen Münzen in ihren Händen und freuen sich riesig. Während ich austrinke frage ich sie: "Und? Habt ihr heute schon viel verdient?". Sie nicken alle drei einstimmig und strahlen. "Was macht ihr denn mit dem Geld?", frage ich sie. "Wir haben ein Baumhaus", sagt der blonde Junge, "dort haben wir eine Kasse, wo das Geld reinkommt und wenn wir dann mal Lust haben, gehen wir in die Stadt und kaufen uns ein Mezzo Mix". "Das ist cool", sage ich, lache und reiche ihnen meinen leeren Plastikbecher. Dann winke ich ihnen zu und fahre weiter. "Danke" denke ich, "Ihr seid echt richtig tolle und glückliche Kinder".

Dienstag, 29. April 2008

Wir machen im Grunde nichts

Anna sagt zu dem Mann: "Warum machst du nicht das, was du kannst?". Und der Mann sagt: "Genau das kann ich". Aber Anna sagt: "Du kannst das. In Ordnung, aber eigentlich kannst du etwas viel schöneres". "Aber das, was ich jetzt mache, muss doch auch einer machen", sagt der Mann, aber Anna ist nicht zufrieden. "Aber vielleicht findet sich einer, der das besser machen kann als du, weil er nichts anderes machen kann als das, aber du... ", sagt Anna und spricht nicht weiter. "Ich kann natürlich etwas anderes machen", sagt der Mann, "das, was ich eigentlich kann, aber ich habe es verlernt". Anna erwidert, "dann musst du es wieder lernen und den Bestzustand erreichen, das macht die Welt schöner". Und der Mann sagt: "Aber dann haben wir immer noch das Müllproblem". Anna: "Dann muss sich eben jeder einmal um den Müll kümmern". "Das ist eine nette Vorstellung", sagt der Mann, aber das funktioniert nicht. Anna verdreht die Augen: "Und was funktioniert?" fragt sie aufgeregt. "Das, was wir gerade machen? Wir machen gerade im Grunde nichts, weil keiner an das denkt, was er für die anderen machen könnte und weil nur wenige das machen, was sie glücklich macht". "Mich macht glücklich, wenn ich mir solche Fragen nicht stellen muss", sagt der Mann, nimmt seinen Autoschlüssel und geht.

Samstag, 26. April 2008

In seines Nabels engem Becher war / das ganze Dunkel dieses hellen Lebens

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Sol

Freitag, 25. April 2008

...

Die wilden Obstwiesen am Radolfzeller See sind berauschend gewesen, der Blick von den wilden Gärten auf den See voller Kindheitserinnerungen. Während ich in der Sonne leichtfüßig umherging, begleitete mich unaufhörlich das Geräusch der Schnellstraße, die sich hinter mir in etwa 500m erstreckte. Unten, direkt am Ufer, also vor mir, fuhren auch Menschen in ihren Autos.
Die Autos als Störfaktor betrachtend, dachte ich nur: "das ist eben der Preis den wir für Mobilität, Kultur und Globalisierung zahlen. Da muss man dann eben in den sauren Apfel beißen".

...aber nachdenklich stimmt es mich trotzdem.

Donnerstag, 17. April 2008

...

Laut Amnesty International warten zur Zeit 20. 000 Menschen weltweit auf ihre Exekution...

Seit 1990 wurden Amnesty International neun Staaten bekannt, die straffällige Jugendliche hingerichtet haben:
China, Iran, Jemen, Nígeria, Kongo, Pakistan, Saudi-Arabien, Sudan, USA.

Quelle: taz

Dienstag, 15. April 2008

...

Wir weinen nicht, weil wir traurig sind,
wir sind traurig, weil wir weinen.

Mittwoch, 2. April 2008

Was bei eingehender Goethe Lektüre (Werther) passiert...

Mein lieber Freund,

Nun schreibe ich doch ein paar Zeilen an Sie, so wie es sich schickt, wenn man in seeliger Verbundenheit sich begegnet. Verzeiht mir diese Sprache, aber ist sie nicht schön wie ein Maientag?
Ich habe sie von meinem großen Vorbild, dem Meister Goethe, gelernt und werde mich nun darin üben müssen sie zu beherrschen. Warum sollte man dies alles, was einem in der Welt begegnet, was einen bewegt und aufwühlt, nicht in solch rosigen Hüllen bergen?
-Wie der Nebel über dem sanften Hügel vor meinem Fenster steht, müssten Sie sehen, Sie würden mit mir um diese schöne Welt wissen, die ja -wer könnte es leugnen- an machen Stellen allzu schnell am Dahinsterben ist.
Was soll man tun, um dieses Verblühen aufzuhalten?
Es fällt einem doch nichts Richtiges ein. Man wird immerfort nur auf sich selbst zurückgeworfen. Die Welt dreht sich ewig um mich und so hoffe ich inständig, es möge mich bald eine Kopernikanische Wende aus dieser allzu süßen und bequemem Mitte reißen.
Aber was schreibe ich? Sie könnten denken, ich würde hadern. Nein, das tue ich nicht. Wie dankbar bin ich, nun gleich zur Straße zu gehen-dort wartet das Gespann mit den Pferden. Wir fahren zur Stadt!
Wieviel Freiheit ich genieße, wird mir in solchen Momenten bewusst. Es ist mir an ein paar Büchern gelegen, die ein alter Freund der Familie für mich aufbewahrt hat. Sie wissen um meine Platonstudien. Dieser ach so weise Gärtner pflanzte die Pflänzchen, deren Früchte wir nun nach tausenden von Jahren immer noch ernten dürfen. So hängt doch alles auf eine wundersame Weise zusammen.

Die Turmuhr leutet zum Aufbruch. Ich muss fort. Und so beendige ich dieses Schreiben an Sie.
Behalten Sie mich in Gedanken, so wie ich Sie, und bewahren Sie mich auch ein bisschen in Ihrem ach so treuen Herzen, das sich doch so manches mal so stürmisch nach uns ausrichtet.
Und vergessen Sie nicht, es ist nicht immer alles so lieb, wie es erscheint.
Aber um so viel Wertvolles und Liebes darf man doch nicht betrogen werden!

In Treue und Verbundenheit Ihre Freundin Lilli.

Samstag, 22. März 2008

Stattdessen....

Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll. Vielleicht ist es allein meinem gestrigen Gefühl der Alleinsamkeit zuzuschreiben, dass ich, als ich die neue
Stadthalle in Singen vor meinen Augen wie ein Koloss auftauchen sah, eine innere Traurigkeit entdeckte. Ich war seit einer längeren Zeit nicht mehr in dieser Stadt gewesen, die für mich früher die Ausbildungsstätte meiner musischen Erziehung war. Ein Ort der mich weiterbrachte, der mich herausforderte, mir meine letzten Kräfte nach Mittagsschule und Schulalltag nahm. Ich träume jetzt noch manchmal davon meine Noten zu Hause vergessen zu haben, zu spät zu einem Konzert zu kommen und von anderen peinlichen Dingen.

Ich komme also am Bahnhof der Industriestadt an, nehme nur schemenhaft die ewig leuchtende Maggireklame auf der anderen Seite der Schienen war, und begebe mich zu einem Döner, da mir der Magen knurrt. Dort erreicht mich das erste Grauen, ein Junger Mann kommt in die Bude, nimmt vier Bier mit. Draußen im Kalten sitzt eine junge Frau, mehr noch ein Mädchen, das zu ihm gehört und zwei Kinder, eins in einer Plastikwiege, eins von etwa zwei Jahren steht dabei. Die Mutter isst Pommes und sieht nicht gut aus. Beide sind scheinbar überfordert mit den zwei Kindern. Zu jung, zu unwissend.
In der Bude sitzen noch zwei Männer mittleren Alters, die sich langweilen, schlechtes Deutsch, sie fuhrwerken die ganze Zeit an ihren Handys rum, die Tür geht auf, zwei vierzehnjährige Jungs latschen ziemlich lässig rein und verzocken Euros an den Spielautomaten.

Ich breche auf, Richtung Gems, einem Kulturzentrum und hoffe dieser grauen Bahnhofsgegend zu entrinnen. Da ich die Tübinger Kleinstadtidylle mit Fachwerkhäuschen und Kopfsteinpflaster gewohnt bin, vermisse ich kleine Cafes, schöne Läden, Leben in den Straßen. Nein, hier spielt sich das Leben am Bahnhof ab.
Um so bonziger und neureicher kommt mir die Stadthalle vor und ich merke, dass damit den Leuten rund um den Bahnhof nicht geholfen ist, wenn sich die Mittelständler der Bodenseeregion mit Kunstinteresse in dieses Gebäude begeben.
Die Stadt ist stolz solch eine Halle zu besitzen, für mich wirkt es allein wie ein Ablenkungsmanöver von der Hässlichkeit der Stadt, die sich irgendwie, ziemlich offensichtlich nach warmer Anteilnahme sehnt.

Mittwoch, 6. Februar 2008

...

Er: Erzähl mir von der Ewigkeit, der Traurigkeit, der Tiefe
Sie: kenn ich nicht
Er: Dann von der Freiheit, der Sorglosigkeit, der Begeisterung
Sie: kenn ich auch nicht
Er: Erzähl mir von der Freude, der Hoffnung, der Demut
Sie: auch das nicht
Er: Dann von der Treue, der Zartheit, der Entschlossenheit.
Sie: kenn ich nicht
Er: Erzähl mir von der Waghalsigkeit, der Bitterkeit, der Verliebtheit
Sie: nicht.
Er: Dann von der Vertrautheit, der Kargheit, der Einsamkeit
Sie: -
Er: du ?
Sie: -


Wir bitten alle Gäste das Theater schnell zu verlassen. Wir entschuldigen uns für diesen kleinen Zwischenfall. Selbstverständlich bekommen Sie Ihr Geld zurück.
Kommen Sie gut nach Hause

Samstag, 12. Januar 2008

Tango ist besonders schön, wenn man traurig ist

Etwas zu lesen, kann sehr schön sein. Zusammen verschiedene Bücher zu lesen, in einem Zimmer kann der Himmel auf Erden sein, weil man so sicher ist, zusammen etwas schönes zu machen. Ab und zu tauscht man einen Blick, ein Lächeln, dann taucht jeder wieder in den Strom der Buchstaben und Bedeutungen.
Tango ist besonders schön, wenn man traurig ist.


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